31. Jan 2010 |
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Dieser Artikel ist am 30. und 31. Januar in zwei großen italienischen Zeitungen veröffentlicht worden und ist auch auf der CESNUR Website nachzulesen. 30. Januar 2010 Der Film Avatar von James Cameron verbindet eine erstaunliche Technik - die nur in 3D und auf einer großen Leinwand wirklich zum Tragen kommt -und ist tatsächlich imstande, Menschen ins Kino zurückzubringen, die sich sonst nur von Internet und Fernsehen ernähren, mit einer insgesamt gesehenen sehr einfachen Handlung und einer diskutierbaren Ideologie. Die Na’vi, friedvolle Bewohner des Planeten Pandora, die von irdischen Söldnern, bezahlt von einer Multinationalen, angegriffen werden, sind in der Tat eine ganz offensichtliche Metapher für alle, „die anders sind“ und die Botschaft ist: die, die „anders“ sind, sind immer und sowieso besser als wir. Wenn es sich hier nur um Kritik handeln würde an dem, was Giulio Tremonti den „Turbokapitalismus“ der Multinationalen nennt - inbegriffen den mangelnden Respekt für Kultur und Ambiente – dann gäbe es nichts dagegen einzuwenden. Aber die Tatsache, die viele kritische Christen in den Vereinigten Statten bemerkt haben, ist, dass die moralische Überlegenheit der Na’vi aus ihrer Religion erwächst und der Zuschauer fühlt sich dazu bewogen, diese zu bewundern und nachzuempfinden. Der Film lehrt uns, dass diese Religion höherwertig ist als die irdische, weil sie nicht trennt, sondern vereint. Sie ist nicht Dualist, sondern Monist, sie unterscheidet nicht zwischen Schöpfer und Kreatur und verehrt Eywa, die Mutter oder das Ganze, eine Art kollektiver Geist des Universums, der sich als sehr dichtes Netz von Verbindungen offenbart. Alles ist mit allem verbunden und die Na’vi Schamaninnen führen Wunder, inbegriffen Heilungen aus, weil es ihnen gelingt, in diese Verbindungslinien einzudringen und mit Eywa in Einklang zu sein. Der klassische Name dieser Religion – der im Film von Cameron nicht benutzt wird – ist Pantheismus; hier handelt es sich jedoch um einen neu interpretierten Pantheismus aus der Sicht von Ökologie und New Age. Die Beziehung zum New Age ist augenscheinlich und überzeugt mehr als die Annahme, in der Religion der Na’vi eine leicht veränderte Variante des Hinduismus zu sehen – was in Indien bis auf die Titelseiten der Tageszeitungen gelang. Der Ausdruck „New Age“, bezeichnet jedoch ein Genre und nicht ein Art. Es gibt sehr viel New Age Gruppen, die sich jedoch ziemlich voneinander unterscheiden. Wer ein bisschen vertraut ist mit dieser Welt, kann angesichts Avatar einfach nur feststellen, dass die New Age Gruppe, die der Idee der Na’vi am nächsten kommt, nicht in den Vereinigten Staaten lebt, sondern in Italien, in der Provinz Turin. Dort gibt es Damanhur, das „aquarianische“ Zentrum, das 1976 im Valchiusellatal von Oberto Airaudi gegründet wurde. Damanhur ist berühmt wegen seiner großen unterirdischen Tempelanlage. Seine „Bürger“ – wie die Bewohner gerne genannt werden möchten – mögen dieses Etikett nicht, das sie als größte New Age Gemeinschaft der Welt betitelt. Die Vermutung, nach der sich Cameron von Damanhur hat inspirieren lassen, ist gar nicht so weit hergeholt. Das Buch und das Video über Damanhur in Englisch sind in amerikanischen New Age Kreisen sehr verbreitet und die Geschichte des unterirdischen Tempels, der von der Gemeinschaft in unglaublicher Weise bis 1992 geheim gehalten wurde, hat auch die großen Tageszeitungen fasziniert. Die Ähnlichkeiten sind überraschend: so wie der unterirdische Tempel von Damanhur, ist das Zentrum von Kraft und Spiritualität der Na’vi versteckt: in einem riesigen Baum. Di Na’vi haben genauso wie die Damanhurianer ihre heilige Sprache, deren Gebrauch, sowohl in Camerons Film, als auch in Damanhur im Valchiusellatal hilfreich dabei ist, um den Unterscheid zu denen aufzuzeigen, die nicht Teil der Gemeinschaft sind. Sowohl die Na’vi, als auch die Bürger Damanhurs betonen die Bedeutung, die es hat, einem „Volk“ anzugehören. Diese Zugehörigkeit ist nicht nur ethnisch, sondern eingeweiht und – wie der Fall des Hauptdarstellers des Films aufzeigt – vor allem freiwillig. Die Damanhurianer grüßen sich mit den Worten „con te“ („mit dir“), nicht mit dem sonst üblichen Guten Morgen und erkennen damit die tiefe Gemeinschaft, die unter ihnen herrscht an. Das gleiche tun die Na’vi, indem sie „ich sehe dich“ sagen. In Damanhur geht jeder Bürger eine spezielle – gegenseitige – Bindung mit einem Tier ein, dessen Namen er trägt. Bei den Na’vi wird jeder zum Krieger oder zur Kriegerin, indem er oder sie ein beflügeltes Tier wählt, um es zu reiten; wird aber gleichzeitig auch von diesem gewählt. Der damanhurianische Bürger, schreibt der Gründer Airaudi, wird „zum Tropfen, der sich seiner selbst und aller anderen Tropfen bewusst ist, die den Ozean des Seins ausmachen“. Damit wären die Na’vi einverstanden. Sowohl die Na’vi, als auch die Damanhurianer glauben pantheistisch in ein großes Ganzes, in dem jeder Ausdruck der Natur und des Lebens in Verbindung mit allen anderen Erscheinungsformen steht. Wie die Na’vi, so versuchen auch die Damanhurianer mit diesen Verbindungen in Wechselwirkung zu sein und – auch durch die Benutzung von speziellen Symbolen - damit auch, wie sie sagen, Resultate im therapeutischen Bereich zu erhalten. Man kann das Misstrauen der Kirchen und der Christlichen Gemeinden – in den Vereinigten Staaten und anderswo – verstehen, für die der Pantheismus und die Leugnung des ontologischen Unterschieds zwischen Schöpfer und Schöpfung jahrhundertealte Feinde sind, die heute mit dem New Age zurückkehren. Aber bis jetzt, sind es nicht so viele, die den Ursprung dieser neuen Hollywoodreligion sehr nah bei uns zuhause, im Valchiusellatal, ansiedeln. - Massimo Introvigne
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